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Befreite Weiblichkeit statt Feminismus

Ich war nie eine Feministin und bezeichnete mich nie als emanzipiert. Letzteres habe ich mittlerweile korrigiert. Ich bin emanzipiert im wahren Sinne des Wortes. Ich bin für jegliche Befreiung aus der Sklaverei - für die totale Freiheit.
Ich habe nie zwischen Mann und Frau unterschieden und weigere mich auch heute noch standhaft dagegen. Für mich spielt das Geschlecht, genauso wie alle anderen unterscheidenden Merkmale von Menschen, keine Rolle. Für mich zählt alleine der Mensch mit seinem Potential, das mehr oder weniger  emanzipiert ist.
Wir leben heute in einer von Machtstrukturen dominierten Welt. Es herrscht ein harter Konkurrenzkampf, wo es systematisch darum geht, immer besser zu sein als die anderen. Es muss immer Gewinner geben, was nichts anderes heisst, als dass es auch Verlierer gibt. Wir trennen, unterscheiden, werten, urteilen. Wir leben eine falsche Solidarität, da sie auf Konkurrenzdenken aufbaut. Das kann nicht funktionieren. Das Ergebnis ist, dass wir in eine Abhängigkeit geraten sind, die uns zu Sklaven dieses Systems macht. Mit dem bisher gelebten Feminismus, haben wir es geschafft, dass es eine bessere Mischung von Männern und Frauen auf der Verlierer und Gewinnerseite gibt. Wobei die Waagschale mit den Verlierer (alle Abhängigen von dem System zähle ich dazu) sehr gross ist. Es gibt nur sehr wenige wirklich freie Menschen.
Jeder von uns hat eine männliche und eine weibliche Seite. Wir haben nicht nur einen Verstand, sondern auch ein Herz. Neben der Logik sind wir auch kreativ. Wir können die Welt nicht alleine wissenschaftlich ergründen, wir müssen sie auch erspüren. Nicht alles ist ersichtlich und beweisbar. Und ein Lächeln sagt manchmal mehr als tausend Worte. Genau dieses Lächeln müssen wir in diese männlich dominierte Welt bringen. Ein bisschen mehr Wärme, ein bisschen mehr Verständnis und ein Miteinander das füreinander ist. Wir Frauen müssen uns unserer urweiblichen Eigenschaften bewusst werden und dieses Bewusstsein leben, statt gegen Männer zu kämpfen und sie dabei nachzuahmen. So helfen wir auch den Männern, zu diesen Eigenschaften zu stehen und erlauben ihnen, auch mal schwach zu sein. Dann wird diese Schwäche ihnen helfen sich zu spüren und zu finden, sich zu erlösen und neu zu gebären. Wenn sich ihre verkrampfte männliche Haltung löst und eine weiche, geschmeidige, kreative, lebendige Art zum Vorschein kommt, bekommt ihre männliche Seite eine neue Dimension mit ungeahnten reifen Kräften, welche nicht mehr zerstören, besiegen und unterdrücken, sondern aufbauen, befreien und erheben.
Wir müssen aufhören zu bewerten. Es ist an der Zeit die gleiche Augenhöhe zwischen allen Menschen auf der Welt herzustellen. Zu sehr haben wir uns in Diplome und Qualifizierungen verbissen. Wir suchen nicht mehr nach unserer Essenz. Sie ist ein gleichwertiges Potential, das in jedem von uns steckt. Jeder der dieses entfalten kann zu seiner wahren Grösse und es der Welt schenkt, ist ein Gewinn für die Gemeinschaft auf diesem Planeten. Studieren heisst nicht auswendig lernen und anderen nachplappern. Studieren heisst ergründen, erspüren, erfahren und erleben. Das kann jeder auf seine Art  tun mit und ohne Hilfe. Wenn wir auf diese Art lernen und Meisterschaft erlangen, dann gibt es keine minderwertige und hochwertige Arbeit mehr, sondern nur noch einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft. Was wäre ein Arzt ohne einen Pfleger? Nichts! Sie arbeiten Hand in Hand. Was wäre ein Visionär (ich verwende hier bewusst weder das Wort Manager noch Unternehmer) ohne den Handwerker, der diese Vision umsetzt? Nichts! Auch sie arbeiten Hand in Hand. Wir sind alle gleich wertvoll.
Jetzt ist der richtige Zeitpunkt ein neues Selbstbewusstsein zu schaffen für Mann und Frau. Ob ich mich als Berater oder Beraterin bezeichne, trägt Null zur Erfüllung bei. Auch hat es nichts mit einer respektvollen Haltung mir gegenüber zu tun. Es ist antrainiert und bedeutungslos. Wenn ich die Quotenfrauen sehe in der Chefetage, sehe ich die gleichen (männlichen) Anzüge, das gleichen professionelle Lächeln und die gleichen harten Ellenbogen. Von weiblichen Qualitäten, welche hier ein neues Bewusstsein einbringen, keine Spur. Dabei sind genau diese so wichtig, weil sie uns allen fehlen. Wir hungern danach. Nur die Menschlichkeit unseres Herzens kann uns davor bewahren, uns professionell zu Grunde zu richten.

Es wird Zeit unsere Wunden zu pflegen, unsere Verletzungen zu heilen und uns und anderen zu verzeihen auf dem Weg in eine neue Welt, die wir mit einer vereinten weiblichen und männlichen Kraft erschaffen.

Donnerstag, 31. Januar 2013

Sieglinde Lorz