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Warum fürhren wir Kriege?

Heute stellen wir uns vielleicht einmal mehr als sonst die Frage: „Warum?“. Das ist grundsätzlich gut so. Denn es könnte ja dazu führen, dass wir eine brauchbare Antwort finden und danach handeln. Warum gibt es so viel Krieg auf der Welt? Warum gibt es soviel Leid und Elend, warum gibt es soviel Zerstörung? Warum können wir nicht Freude und Frieden haben? Warum kann ich nicht einfach nur meine Ruhe haben (… und weitermachen wie bisher!)?

Die Antwort auf diese Fragen ist pauschal und einfach. Weil wir es nicht wollen. Würden wir es wollen, könnten wir es auch. (Zur Definition - jeder Krieg hat mal als Kampf begonnen, es ist sozusagen die eskalierte Form. Und deren gibt‘s viele.) Vielleicht könnte wir bereits mit dem Kampf hier und dort aufhören. Eventuell würden wir es sogar noch schaffen in Einzelfällen Frieden zu schliessen. Doch spätestens dann, wenn Frieden wäre, haben wir ein Problem. Wir können einfach (noch) nicht mit dem Frieden umgehen!

Warum? Schaut mal alleine diese Worte an, was die bei jedem Einzelnen gerade auslösen. Da startet doch sofort ein innerer Krieg, weil unsere erste und innerste Reaktion darauf Kampf ist. Wir wollen sofort widersprechen, uns verteidigen, etwas richtig stellen. Wir sind selber nicht im Frieden. Der Kampf ist in uns, wie ein erstes Ich.
Aber Achtung, ein Kampf hat viele Gestalten. Es lohnt sich, das zu beobachten. Grundsätzlich hat er zwei Seiten, die der Macht und die der Ohnmacht. Wann er von dem einen Pol in den anderen wechselt, ist individuell. Was im Inneren eine zeitlang in der Ohnmacht resigniert, brodelt, schläft, kommt irgendwann geplant oder völlig spontan im Äusseren zum Handeln. Wir werden mächtig und Täter, um so wieder einen Ausgleich in uns zu finden.
Wenn wir nun auf dem einem oder anderen Gebiet Frieden gefunden haben und diesen auch ertragen können, dann gibt es immer noch genug Handlungsfelder, die von der Angst regiert werden und deswegen Verteidigung benötigen. Spätestens dann, wenn es ums Überleben geht. Aber verfangen wir uns hier nicht in den Detail, sondern gehen wieder auf die Metaebene. Macht und Ohnmacht bringt Kampf im Innen und Aussen. Wenn wir Frieden wollen, dann müssen wird das Paar Macht/Ohnmacht loslassen. Wir müssen sowohl den Verlierer, als auch den Sieger verabschieden. Doch das ist schwer in einer Welt, die auf einem ständigen Vergleichen basiert. Eine Welt, die aus dem Ich und aus dem Du besteht, aus dem Mein und Dein. 
Macht und Ohnmacht zu überwinden heisst folglich, das Ich und das Du loszulassen. Es bedeutet die Trennung zu überwinden und in jedem das Wir zu erkennen - die Verbundenheit. Das Wir kennt keine Grenzen, also auch keine Ausgrenzung. Es gilt für jeden und für alle. Im Wir zu kämpfen bedeutet für und gegen mich zu kämpfen. Das mach keinen Sinn. Es wird nicht mehr stattfinden, sobald wir dies erkannt haben.
Doch wie kommen wir dahin, da wir uns doch so davor fürchten, das Ich loszulassen? Wir haben Angst uns selber dabei zu verlieren. Doch verlieren wir uns wirklich, oder erweitern wir uns dabei auf mehrere, so wie sich mehrere auf uns erweitern? Ich mit dem grösseren Ganzen, das grössere Ganze mit mir? Das Wir ist sowieso da. Wir müssen es nicht erfinden. Wir sind nicht voneinander getrennt. Das zu denken, ist nicht nur Illusion sondern Selbstbetrug. Deswegen betrifft Kampf immer jeden und tut immer weh. Jeder von uns kennt das Wir bereits aus Erfahrung. Es ist uns eigentlich vertraut. Jede Zelle in uns ist ein Ich und gleichzeitig ein Wir. Sie hat keine Angst, sondern erfüllt mit Hingabe ihre Aufgabe. Das ist gut so. 
Und das, das können wir auch. Wir brauchen keine Angst vor der Verbundenheit zu haben, vor der Gleichheit jedes Individuums, die keinen Vergleich mehr benötigt, Die sich nicht mehr messen muss aus ihrer Einmaligkeit heraus. Lasst uns Verbundenheit üben und den inneren Kampf meistern. Wir werden es schaffen, den daraus entstandenen Frieden gemeinsam - nicht nur zu ertragen, sondern sogar zu gestalten.

Dienstag, den 8. Dezember 2015

Sieglinde Lorz