Warten auf dem Erlöser
Er kommt! Er kommt doch sicher und befreit uns von allem Leid dieser Welt? Oder doch nicht? Wo bleibt er denn? Wir warten doch schon so lange. Vielleicht kommt er gar nicht? Genauso wenig, wie der Erlöser kommen wird, wird auch das grosse Ereignis nicht kommen, bei dem wir „puff“ alle einen Bewusstseinssprung machen und nun ist die Welt nur noch gut.
Gerne würden wir von dem Leid dieser Welt befreit werden und zwar schnell. Nicht unbedingt schmerzlos, aber schnell. Vieles gibt es mittlerweile, was kaum noch zu ertragen ist. Sehr viel Krieg, Armut, Gewalt und Unglück. Und doch merken wir immer mehr, dass auch wir unseren Beitrag dazu leisten und ein Freikaufen mit Spenden, wie heute an dem Solidaritätstag für Afrika bzw. Südsudan, nicht mehr funktioniert. Das allein kann unser Gewissen nicht mehr vollständig beruhigen. Auch die Darstellung in den Medien, die uns immer nur eine Seite der Medaille zeigen, kann uns nicht mehr über die wahren Zusammenhänge hinwegtäuschen. Die Spatzen pfeifen es von den Dächern. Die andere Seite der Armuts-Medaille ist die Gier. Wir probieren diese immer noch mit dem Mantel von Fortschritt und Wohlstand zu tarnen, doch das gelingt uns immer weniger. Vor allem seit die Armut so massiv an unsere Tür klopft. Es fällt uns immer schwerer, das Gewissen mit einer Spende zu beruhigen und dann zur Tagesordnung überzugehen. Auch die Willkommenskultur alleine ändert nichts an den Ursachen. Doch es gelingt uns auch noch nicht die Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen und die Konsequenzen in unserem Alltagsleben zu ziehen. Unser Wohlstand ist uns lieb und es ist schwer loszulassen, auch wenn dabei Blut an unseren Händen klebt.
Keiner von uns ist nicht auch Täter in diesem Gut und Böse der Welt. Uns von dem Leid dieser Welt zu erlösen, bedeutet uns von unseren eigenen Taten zu erlösen. Dafür braucht es keinen Heiland und auch keinen Prinzen. Auch ein grosser Bewusstseinssprung wird uns die mühsame Arbeit des langsamen Erkennens und die damit verbundenen Gewissensbisse, Ängste, Ohnmacht und Mutlosigkeit nicht abnehmen. Wir müssen uns damit auseinandersetzen und den Weg des grossen Widerstandes gehen. Der Widerstand kommt nicht von aussen. Unser grösste Hürde ist unser Ego. Unser innerer Weg ist der schwerste und muss gegangen werden. Wir können vor uns selber nicht ewig den Kopf in den Sand stecken.
Uns von uns selber zu erlösen, das können nur wir. Und wir können es! Sobald wir den Mut haben die Verantwortung für unsere Gedanken, Worte und Taten zu übernehmen, werden wir mächtig. Die Selbstermächtigung, das Bewusstsein der Selbstverantwortung wird uns das Vertrauen und die Kraft geben, uns zu verändern und damit die Welt von dem Schrecken zu erlösen, den wir in uns tragen und draussen verbreiten. Unsere Liebe löst die Angst auf. Die Angst vor unserer Verantwortung wird sich in der Selbstliebe transformieren und uns den Mut geben, uns von allem zu befreien, was nicht mehr zu uns passt. Die Konsequenzen werden anstecken sein und anderen Mut machen, auch den gleichen Weg der Verantwortung, Selbstermächtigung, Selbstliebe und des Vertrauens zu gehen und sich von sich selber zu erlösen zum Wohle aller.
Wir können nicht früh genug starten. Einfach mal mit dem ersten Schritt in diese Richtung. Der Erlöser wird nicht kommen, denn er ist schon da. Wir sind es. Jeder Einzelne von uns.
Dienstag, den 11. April 2017
Sieglinde Lorz